Verfasst am:
16.01.2010, 19:46 Zwischen Westerwald und Herborn
Diese nordwestlich von Giessen gelegene Region ist nicht besonders bekannt. Den Westerwald kennen Wehrpflichtige aus Bundeswehr und Vorläuferorganisation allenfalls, weil sie ihn besingen mussten - Absolventen der Nationalen Volksarmee blieb dieses Kulturgut, vermute ich, erspart; höchsten diejenigen, die als Kundschafter ins feindliche (westliche) Ausland geschickt wurden, haben es lernen müssen, damit sie nicht auffielen (ich stelle mir irgendeinen schalldicht abgesicherten Stasi-Keller vor,
in dem die armen Kerle das üben mussten).
Ich selbst hab mich dieser segensreichen Einrichtung verweigert und kann auch nicht sagen, ob der Wind über den Höhen des genannten Mittelgebirges wirklich so kalt weht, weil ich mich 1985 als Breitscheider Landarztvertreter nur in einigen Taldörfern aufgehalten habe, wie Gusternhain, Rabenscheid oder Erdbach. Letzteres hat mir am besten gefallen.
Herborn selbst ist auch nicht sonderlich bekannt, wenn man von der Tankwagenkatastrophe 1987 absieht. Laut Wikipedia hat es aber einiges an Kultur zu bieten. _________________ Die größte Sehenswürdigkeit, die es gibt, ist die Welt - sieh sie Dir an (Kurt Tucholsky)
In Herborn-Seelbach haben die TTCler verloren. Aber zu Hause im Rückspiel klarer gewonnen und sind aufgestiegen.
Na super !
« Tommy_Senior » hat folgendes geschrieben:
PS: Beim Bund war ich auch nicht .
Brav ...
Ich wollte noch etwas von Breitscheid und Umgebung schreiben
(mein Gastspiel ging 1985 über ein Vierteljahr).
Mir fiel an den Leuten zweierlei auf.
Zum einen ist der Dialekt gewöhnungsbedürftig. Sie rollen das R in einer Weise, dass ich anfangs dachte, lauter USA-Rückwanderer von mir zu haben.
Zum andern waren viele von ihnen ausgesprochen jesusmäßig drauf, d.h. sie frömmelten auch in der Alltagskommunikation.
Nach einem missglückten Bekehrungsversuch auf einer Autofahrt zwischen zwei Dörfern haben sie mich dann diesbezüglich in Ruhe gelassen. So wundert mich auch nicht mehr, dass man selbst auf der - ansonsten sehenswerten - HP über die Tropfsteinhöhle längere religöse Betrachtungen findet.
Und damit wären wir bei der Attraktion von Breitscheid (und Erdbach), den Höhlen.
Damals waren sie noch nicht öffentlich zugänglich, es kamen nur öfter Höhlenforscher in den Ort. Nachdem ich eine Weile da war, gestand mir ein Breitscheider, dass er angesichts meines alten Autos und meines Outfits nicht geglaubt habe, dass ich der neue Vertretungsarzt sei, sondern wieder mal ein Höhlenforscher ... _________________ Die größte Sehenswürdigkeit, die es gibt, ist die Welt - sieh sie Dir an (Kurt Tucholsky)
Die Breitscheider Herbstlabyrinth-Höhle ist erst seit dem letzten Jahr für die Öffentlichkeit zugänglich, auf der HP wird um Voranmeldung für die Führungen gebeten. Ich war schon in einigen Tropfsteinhöhlen drin, in dieser noch nicht, und von den Bildern her finde ich sie wunderschön.
(wikipedia) Diese Datei wurde unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation veröffentlicht.
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Muss da jetzt einfach auf obigen Videoclip eingehen, weil ich entsetzt bin.
Was bin ich für ein Naivchen?
Ich hatte dieses Lied als "harmlose Marschmusik" im Kopf und kann zu meiner Entschuldigung lediglich sagen, das ich es das letzte Mal hörte als ich mitten in der Pubertät steckte.
Irgendwie wurde es mir fast als Partymusik "verkauft" - und so kommt es bei diesem http://www.youtube.com/watch?v=hblSKhOkV7c" target="_blank" class="postlink">Clip irgendwie auch rüber.
Nur über den Text hatte ich damals nie nachgedacht.
Bin gerade wirklich erschrocken über mich selbst. _________________ Alle Bewohner dieser Erde sind Nachbarn
Ich denke, dass es damals nicht Deiner Lebenssituation entsprochen hat, Dich mit diesem Thema zu befassen.
Bei mir war das anders, ich hätte einrücken müssen und ich wollte das nicht. Zu meinem Glück gab eine große Bewegung von Gleichgesinnten (u.a. Verband der Kriegsdienstverweigerer). Deshalb hat man sich natürlich auch mit dem "Gegner" befasst und ist dabei zwangsläufig über dieses Lied gestolpert.
Irgendwann hat im SPIEGEL einmal der Westerwälder Fremdenverkehrsverband oder eine ähnliche Einrichtung gegen das Lied protestiert und angeführt, das mit dem Wind, der so kalt über den Westerwald pfeifen würde, stimme gar nicht - in Wirklichkeit sei das Klima dort sehr angenehm ...
Kommt wahrscheinlich auf die Jahreszeit an, und darauf, was man dort zu tun hat, bzw. ob man da freiwillig ist oder nicht. _________________ Die größte Sehenswürdigkeit, die es gibt, ist die Welt - sieh sie Dir an (Kurt Tucholsky)
Jetzt hab ich auch den SPIEGEL-Artikel von damals (1975) gefunden
Zitat:
( ... ) Doch gerade die Kernzeile" wonach über die Höhen des Mittelgebirgszuges ein "Wind, so kalt", pfeift, soll nun nicht mehr das Wahre sein. Denn diese Wettermeldung, so ergab eine Umfrage auf der Berliner Touristikbörse" verprelle potentielle Urlauber. "Die denken", sagt Westerwald-Werber Rolfes, "bei uns sähe es aus wie in Sibirien." Und auch Norbert Heinen, CDU-Landrat im Westerwald (Juli-Durchschnittstemperatur 14 bis 17 Grad), will die Dinge sonniger betrachtet sehen: "Bei uns ist es nicht kälter als anderswo."
P.S.
Eigentlich sollte das mit dem Westerwald-Lied nur eine Randbemerkung sein. Aber obwohl ich beim Eingeben des Videos noch nicht mal den Lautsprecher an hatte, geht mir dieses unsägliche Militärgedudel seither wie ein Ohrwurm im Kopf herum
Schreiben wir zur Ohrwurmbetäubung mal etwas über den Erdbach.
Der fliesst zwischen Breitscheid und seinem 2 km talwärts gelegenen Ortsteil Erdbach weitgehend unterirdisch, indem er am Ortsende von Breitscheid in mehreren Löchern versinkt und 1200 Meter weiter kurz vor Erdbach wieder heraus kommt. Durch Farbzugabe konnte festgestellt werden, dass das Wasser dazu 14 bis 30 Stunden braucht.
Früher floss der Bach oberirdisch durch die Erdbach-Schlucht, durch die man, wenn's nicht grad regnet,
trockenen Fußes wandern kann. Mehr dazu auf der Erdbach-HP _________________ Die größte Sehenswürdigkeit, die es gibt, ist die Welt - sieh sie Dir an (Kurt Tucholsky)
Von Erdbach gut zu Fuß erreichbar sind die Steinkammern.
In der Kleinen Steinkammer gibt es eine ca. 5 Meter lange Röhre, durch die man kriechend (von unten) oder auf dem Hintern rutschend (von oben) in den jeweils anderen Höhlenteil gelangt. Ein Erwachsener darf nicht besonders klaustrophobisch sein, wenn er da durchgeht - für mich war das gut machbar. Beim 1. Mal bin ich von oben mit der Taschenlampe zwischen den Zähnen runtergerutscht, beim 2. Mal hab ich die weggelassen, denn kaum hat man von oben kein Licht mehr, wird es von unten her schon wieder hell. _________________ Die größte Sehenswürdigkeit, die es gibt, ist die Welt - sieh sie Dir an (Kurt Tucholsky)
Auf der schon erwähnten Erdbach- (und der Breitscheid-)HP ist ein Video vom Höhlendurchgang.
Den Lautsprecher braucht man nicht unbedingt, es wird nicht gesprochen.
Wer aus welchen Gründen auch immer nicht in die Höhle kann (Klaustrophobie, keine Karten gekriegt), hat noch die Möglichkeit, sich das Ganze im Museum anzuschauen, das sich im ehemaligen Erdbacher Schulhaus befindet (dort hat "mein" Doktor früher zweimal die Woche Sprechstunden abgehalten, und ich dann auch). _________________ Die größte Sehenswürdigkeit, die es gibt, ist die Welt - sieh sie Dir an (Kurt Tucholsky)